5 vor 12

„Jetzt ist es für uns 5 vor 12!“ lautetet das erste Statement von Trainer Sven Walzer nach der derben 1:4-Pleite seiner Mannschaft beim unmittelbaren Konkurrenten TuS Großenenglis und mit Blick auf die Tabelle der Hessenliga in der Bornheim angesichts der neuerlichen Niederlage auf dem letzten Platz abgerutscht war. Damit droht nach 2014 der zweite Abstieg  aus Hessens  höchster Spielklasse. Ebenfalls glücklos war Bornheims „Zweite“, die bei der FSG Niedermittlau/Lieblos mit 1:2 unterlag und damit ebenfalls weiter um den Klassenerhalt bangen muss.

Im nordhessischen Großenenglis hatte die Partie zunächst ausgesprochen verhalten begonnen. Beiden Teams war die richtungsweisende Bedeutung der Partie anzumerken und man war bemüht, dass Visier nicht allzu früh nach oben zu klappen.  Erste Annäherungen an das gegnerische Tor waren erst nach 20 Minuten zu registrieren. Nachdem die Hausherrinnen zunächst durch Julia Faupel (22.) eine erste Einschusschance verzeichnen konnten, war es auf der Gegenseite Canan Yikilmaz, die eine Hereingabe von Christina Depta nur knapp verpasste (28.). Bezeichnenderweise war es ein leichtfertiger Ballverlust im Bornheimer Mittelfeld, der Großenenglis schließlich kurz vor der Pause das 1:0 (40.) durch einen Distanzschuss von Jana Schwaab ermöglichte und dem TuS die Pausenführung bescherte.

Nach dem Wechsel war Bornheim der Wille, die Partie doch noch zu den eigenen Gunsten zu gestalten, deutlich anzumerken. Früh wurde man dann auch für dieses Bemühen belohnt, als Yikilmaz nach einem Eckball von Sonnur Kiricioglu zur Stelle war und aus kurzer Distanz zum 1:1 (50.) ausgleichen konnte. Hätte dieser Treffer eigentlich Sicherheit geben sollen, so waren es aber dennoch die Gastgeberinnen, die sich nun energisch gegen eine drohende Wende stemmten und durch einen Doppelschlag von Johanna Pospich (61.) und abermals Schwaab (69.) innerhalb von 10 Minuten auf 3:1 davonzogen. Als Schiedsrichter René Weigel (Kassel) nach einem Foulspiel an der kurz zuvor eingewechselten Lisa Faldetta auf Strafstoß für Bornheim (75.) entschied, schien es so, als können sich die Tür zurück ins Match für noch einmal öffnen. All3rdings  gelang es Christina Depta nicht, die Gunst der Stunde zu nutzen als sie den Ball knapp über das Tor setzte. Eine weitere „100%-tige“ sollte sich nur wenig später Lisa Faldetta bieten, die den Ball nach einem schnellen Konter der Bornheimerinnen aber nicht im gegnerischen Kasten unterbringen konnte. Stattdessen bewies Großenenglis einmal mehr seine an diesem Nachmittag bessere Chancenverwertung und machte mit dem Treffer von Anna Lena Wagner zum 4:1 (85.) den Sieg endgültig perfekt.

„Ich hoffe jetzt begreifen alle, was die Stunde geschlagen hat!“ äußerte sich Trainer Walzer in einer ersten Einschätzung nach dem Match. „Jetzt müssen wir uns alle noch einmal zusammenraufen und alles dafür tun, um am Ende die Klasse halten zu können. Noch ist nichts verloren und es ist noch alles möglich“, versuchte der Coach trotz der vorangegangenen Niederlage eine positive Sicht auf die bevorstehenden Spiele zu vermitteln.

„Wir haben 5 absolute Stammspielerinnen ersetzen müssen und haben das allerletzte Aufgebot ins Rennen geschickt. Diese Tatsache hat die heutige Mission natürlich nicht gerade einfach gemacht“, zog Bornheims Sportlicher Leiter Christoph Schaaff Bilanz. „Die Tatsache, dass unsere Konkurrenz im Abstiegskampf momentan mehr oder weniger konstant punktet, hat unsere Ausgangslage weiter verschlechtert. Wir haben aber im Restprogramm noch 3 Heimspiele. Die müssen wir ohne Wenn und Aber erfolgreich gestalten wenn wir auch in der kommenden Saison in Bornheim Hessenliga spielen wollen“, gab der Abteilungsleiter auch gleich die Marschroute für das Saisonfinale aus.

Mit einer ausgesprochen unglücklichen 1:2-Niederlage endete der Spieltag für Bornheims „Zweite“, die sich beim Auswärtsmatch bei der FSG Niedermittlau/Lieblos sozusagen selbst besiegte. „Wir wollten eigentlich in diesem 6-Punkte-Match etwas mitnehmen und uns weiter nach oben absetzen“, war Trainer Christian Walter nach dem Spiel verständlicherweise enttäuscht.

Die nicht unverdiente Bornheimer Führung durch Sarah Schielke (36.) konnte die FSG durch Viktoria Walter kurz vor dem Pausenpfiff (44.) zum 1:1 ausgleichen. In einem auch nach dem Seitenwechsel weitestgehend ausgeglichenem  Match, sorgte schließlich in der Schlussphase der Partie ein Eigentor von Bornheims Lena Sittardt (70.) für den glücklichen Sieg der FSG Niedermittlau/Lieblos und das gleichzeitige Abrutschen von Bornheim auf Rang 8 der Tabelle.

„Heute hätten wir mit einem Dreier einen wichtigen, vielleicht sogar entscheidenden Schritt weg von den Abstiegsrängen machen können. Das haben wir leider verpasst. Ich bin aber sicher, dass wir die noch fehlenden Punkte einfahren werden“, zeigte sich Walter mit Blick auf die kommenden Spiele dennoch optimistisch.

CS