Beste Defensive schlägt beste Offensive

Im Top-Spiel der Frauen-Verbandsliga Süd schlug der amtierende Tabellenführer aus  Bornheim den Tabellenzweiten TSG Neu Isenburg mit 4:3 und konnte damit seinen Vorsprung auf den unmittelbaren Verfolger auf 5 Punkte ausbauen. In einem hochklassigen und bis zur letzten Minute spannenden Match trafen Jenny Zitnik (2), Canan Yikilmaz und Sandra Ott für den auch weiterhin ungeschlagenen Herbstmeister der damit das Maximum von 33 Punkten aus 11 Spielen auf seinem Konto verbuchen konnte.

Das Spiel der bislang stärksten Defensive mit nur 3 Gegentreffern aus 10 Spielen gegen das mit 45 Treffern offensivstärkste Team sollte auch gleich von Beginn an das halten, was sich die zahlreich erschienenen Zuschauer von ihm erhofft hatten. Die Gäste begannen zunächst druckvoll und gingen bereits nach 5 Minuten durch einen von Kathrin Schneider direkt verwandelten Freistoß mit 0:1 in Führung. Auch in der Folge zeigte die TSG das gefälligere Spiel und erwies sich als der erwartet harte Prüfstein für das Bornheimer Team. Erst gegen Mitte der ersten Halbzeit gelang es dem Tabellenführer mehr und mehr die Kontrolle über das Spielgeschehen zu gewinnen. Ab Minute 20 kam Bornheim. Und es kam gewaltig. Vier Aluminiumtreffer binnen 15 Minuten durch Yikilmaz (18./25.) und Gueye (24./33.) sowie 2 weitere vergebene Großchancen von Stilger und Zitnik hätten schon zu diesem Zeitpunkt das Blatt eindeutig gewendet haben können. Während aber das Bornheimer Kollektiv außerhalb des Platzes ob der Vielzahl der ausgelassenen Möglichkeiten noch mit allgemeinem Haareraufen beschäftigt war, sorgte ein Doppelschlag von Jenny Zitnik (35.) und Canan Yikilmaz (37.) schließlich noch vor der Pause für eine Wende. Einen möglichen Ausgleich verhinderte zudem Bornheims Keeperin Elena Belkaid nur wenig später (42.) mit einer Glanzparade.

Auch nach der Pause sahen die gut 120 Zuschauer weiterhin ein Spiel auf Augenhöhe, bei dem die Gäste allerdings auch im zweiten Durchgang den besseren Start erwischten. Wieder war es Kathrin Schneider, die per Freistoß zum 2:2 (51.) traf und ihr Team zurück ins Spiel brachte. Auch wenn die ganz großen Chancen hüben wie drüben zunächst ausblieben, betrieben beide Teams in diesem mit offenem Visier geführten Vergleich absolute Werbung für den Frauenfußball. Schließlich war es Jenny Zitnik, die mit ihrem zweiten Treffer an diesem Nachmittag Bornheim erneut in Führung brachte. Mustergültig von Yikilmaz bedient, erzielte sie nach 66 Minuten das 3:2 für ihr Team und nur wenig später konnte Sandra Ott mit dem 4:2 (78.) diese Führung sogar weiter ausbauen.

Wer nun aber geglaubt hatte, die Partie sei entschieden, wurde schnell eines Besseren belehrt. Ein Körperkontakt zwischen Neu Isenburgs Daniela Stroh und Caroline Girard im Bornheimer Strafraum bewertete der Unparteiische René Filges (VfB Petterweil) als regelwidrig und entschied auf Strafstoß für die Gäste. Katharina Droszcz ließ sich diese Gelegenheit nicht entgehen und verwandelte zum 4:3 (82.). In der Nachspielzeit war es schließlich Keeperin Elena Belkaid, die zur tragischen Heldin der Partie wurde. Mit einer abermaligen Glanztat vereitelte sie den Neu Isenburger Ausgleich, zog sich bei dieser Aktion jedoch eine schwerwiegende Knieverletzung zu. Ein letztes Mal musste die für sie ins Tor gewechselte Feldspielerin Sonnur Kiricioglu mit einer Glanztat gegen Stroh retten, bevor der erlösende Schlusspfiff den Bornheimer Sieg endgültig sicherstellte.

„Heute haben wir alles aufbieten müssen, um unsere Siegesserie gegen einen Top-Gegner ausbauen zu können. Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, wie sich unsere Mannschaft in solchen Spielen steigern kann und als Kollektiv überragend zusammenarbeitet“ war Bornheims Trainer Manfred Michel vollauf zufrieden mit seinem Team. Auch der Sportliche Leiter Christoph Schaaff schloss sich dieser Meinung an und ergänzte: „Leider haben wir mit Elenas Verletzung den Sieg teuer bezahlt. Wir drücken ihr alle fest die Daumen, dass die Verletzung vielleicht doch nicht ganz so gravierend ist und sie bald wieder auf das Spielfeld zurückkehren kann.“ Gleichzeitig richtete Schaaff den Blick aber bereits schon wieder nach vorne: „Natürlich freuen wir uns über diese fantastische Hinrunde und genießen jetzt erst einmal den Augenblick. Wir wissen aber auch, dass die Herbstmeisterschaft nur eine Momentaufnahme ist. Vor uns liegt noch ein langer und schwerer Weg. Wenn wir am Ende der Saison immer noch oben stehen wollen, gibt es noch viel für uns zu tun.“

C.S.