Dominanz ohne Glanz

Mit einem souveränen, wenn auch glanzlosen Auftritt, konnten Bornheims Verbandsliga-Fußballerinnen dank eines 3:0 Erfolges gegen den SC Olympia Lorsch 3 weitere Zähler auf dem eigenen Konto verbuchen. Durch die gleichzeitige Niederlage des SC Dortelweil beim TSV Nieder-Ramstadt konnte Bornheim damit seinen Vorsprung in der Tabelle auf mittlerweile 11 Punkte ausbauen.

Betretene Mienen dagegen bei Bornheims Zweiter, die durch die 0:2-Niederlage beim FC Mittelbuchen II einen herben Dämpfer im Aufstiegskampf in die Gruppenliga Frankfurt hinnehmen mussten. Gar nicht erst ins Punkterennen eingreifen, konnte Bornheims Dritte, die aufgrund von akutem Personalmangel das Derby in Eschersheim absagen und dem Gegner die Punkte kampflos überlassen musste.

Gegen den Tabellenvorletzten und in akuter Abstiegsgefahr schwebenden SC Olympia, tat sich Bornheim in der ersten Halbzeit zunächst schwerer als gedacht. Zwar verbuchte die SG in puncto Ballbesitz ein ähnlich hohes Plus wie bereits in der Vorwoche bei der 12:0-Gala gegen Nieder-Ramstadt, fand dabei jedoch sehr selten die wenigen Löcher in der gut organisierten Lorscher Hintermannschaft.

Auch wenn es immer wieder gelang, sich über die beiden Außenbahnen durchzusetzen, war es im Anschluss oft der letzte Pass, der keine Abnehmerin fand. Auf der Gegenseite blieb die Bornheimer Defensive nahezu ungefordert, so dass Keeperin Nora Ghoulla ihren ersten wirklichen Ballkontakt in Minute 27 nach einem Schussversuch von Emma Reuter verbuchen konnte.

Das es bis zur Halbzeitpause beim torlosen Remis blieb, lag zudem auch am Bornheimer Aluminium-Pech. Gleich zweimal war es Vanessa Kempf, die innerhalb kürzester Zeit erst am Innenpfosten und danach am Querbalken des Lorscher Gehäuses scheiterte. Noch ein weiteres Mal hatte Kempf die Führung auf dem Fuß, jedoch verfehlte ihr Abschluss das Lorscher Tor nur haarscharf. Somit ging es mit einem aus Sicht der Heimelf eher schmeichelhaften 0:0 in die Kabinen.

Die aus Bornheimer Sicht einzigen Bedenken bestanden darin, dass die bis dahin an akuter Unterbeschäftigung leidende Hintermannschaft in allzu große Lethargie verfallen könnte. Diese ehrlicherweise nicht allzu große Befürchtung konnte nur wenig nach Beginn der zweiten Halbzeit unter der Rubrik „unbegründet“ abgeheftet werden.

Nachdem sich die SG einmal mehr auf der rechten Angriffsseite entscheidend hatte durchspielen können, war es schließlich Jenny Zitnik, die den Ball aus kurzer Distanz über die Linie drücken konnte und ihre Farben damit mit 1:0 (50.) in Front schoss.

Eine Eckballvariante des Spitzenreiters sorgte nur wenig später für Treffer Nummer zwei. Zunächst kurz ausgeführt, landete die nachfolgende Hereingabe im Fünfmeterraum, wo die gerade eingewechselte Laura Susset den Ball im Fallen zum 2:0 (61.) im Lorscher Tor unterbringen konnte.

Bornheims Dritter Treffer (79.) an diesem Tag, war Torjägerin Vanessa Kempf vorbehalten, die mit ihrem Schuss ins lange Eck ihren bereits 29. Saisontreffer erzielen konnte. Das es am Ende der 90 Minuten bei diesmal nur drei Bornheimer Treffern blieb, war auch ein wenig dem Umstand geschuldet in der einen oder anderen Situation nicht zielstrebig genug agiert zu haben, anstatt den Abschluss zu suchen.

Dennoch war Trainer Thomas Stein abermals zufrieden mit der Leistung seines Teams: „Wir haben diesmal jede Menge Geduld gebraucht haben aber auch heute das komplette Match dominiert und hatten eine gute Struktur in unserem Spiel. In der Summe war es ein hochverdienter Erfolg, der nie ernsthaft in Gefahr war.“

Aber auch für das Team seines Trainerkollegen Florian Woißyk-Scholl fand Stein lobende Worte: „Lorsch hat unser Spiel gut gelesen und sich schnell darauf eingestellt. Am Ende hatte man den Eindruck, dass sie richtig Spaß am Verteidigen gefunden haben und haben es uns dadurch schwer gemacht.“

Mit der fast maximalen Ausbeute von 37 von 39 Punkten strebt Bornheim auch weiterhin mit großen Schritten in Richtung Hessenliga. „Unser Ziel ist es, den Aufstieg schon möglichst vorzeitig klarzumachen“, sagt Bornheims Abteilungsleiter Christoph Schaaff. „Wir haben mit Dortelweil, Düdelsheim und Niederursel am Saisonende noch 3 schwere Gegner und wollen in diese Begegnungen möglichst ohne den Druck des Gewinnen-Müssens gehen. Außerdem würde ein frühzeitig feststehender Aufstieg die notwendige Planungssicherheit bieten.“

Am kommenden Spieltag wartet mit dem FSV Schierstein ein vermeintlich leichter Gegner auf die Stein-Elf. Gerade deswegen warnt Schaaff vor einer allzu großen Sorglosigkeit: „In der vergangenen Saison hat uns Schierstein zu Hause völlig überraschend geschlagen. Das darf uns nicht noch einmal passieren. Trotz unseres deutlichen tabellarischen Vorsprungs haben wir nichts zu verschenken und müssen konzentriert bleiben.“

Eine ähnliche Ausgangslage würde sich auch Chris Dietz von Bornheims Zweiter für seine Mannschaft wünschen. Deutete nach einer verlustpunktfreien Vorrunde noch alles auf einen souveränen Aufstieg in die Gruppenliga hin, scheint die Leichtigkeit der ersten Halbserie mittlerweile dahin. Nach dem etwas unglücklichen Last-Minute-Remis bei der SpVgg. Bad Nauheim zum Auftakt der Rückrunde, musste man im zweiten Auswärtsmatch des Jahres beim 0:2 in Mittelbuchen die erste Saisonniederlage einstecken.

Das frühe 1:0 (04.) durch einen von Annika Sofie Hohmann verwandelten Foulelfmeter stellte dabei die Weichen schon zeitig in Richtung eines Sieges für den FCM. An der Berechtigung des Strafstoßes gab es im Übrigen nicht nur auf Bornheimer Seite berechtigte Zweifel. So zeigte sich auch der gastgebende FCM vom Pfiff des Unparteiischen durchaus überrascht.

Der frühe Rückstand ließ Bornheim in den folgenden Minuten zunächst nur schwer ins Spiel finden. Erst danach erarbeitete sich die SG etwas mehr Spielanteile, ohne aber daraus in irgendeiner Art Kapital schlagen zu können. Die einzig erwähnenswerte Torgelegenheit resultierte dabei im Anschluss an einen Freistoß von Sabine Abdulahi (25.), die aber an der Mittelbuchener Schlussfrau scheiterte.

Auch nach dem Seitenwechsel blieben fußballerische Höhepunkte eindeutig Mangelware, bevor Mittelbuchen dann schließlich doch durch Nadine Hamburger auf 2:0 (78.) erhöhen konnte. Mit der drohenden Niederlage vor Augen, setzte Bornheim in der Schlussphase zwar auf volle Offensive, konnte das Blatt aber nicht mehr wenden.

„Wir müssen uns eingestehen, dass wir das heutige Spiel verdient verloren haben“, zog Trainer Chris Diez eine ernüchternde Bilanz. „Ich hoffe allen ist mittlerweile klar, dass das Ziel Wiederaufstieg, dass wir vor Augen hatten, jetzt deutlich schwerer zu erreichen sein wird. Noch haben wir alles selbst in der Hand, dürfen uns aber keine weiteren Ausrutscher mehr erlauben“,  so Dietz.

Durch die erste Bornheimer Saisonniederlage bekommt das Spitzenspiel gegen den Tabellenzweiten FC Gudesding immer mehr an Bedeutung. Sollte Bornheim, das in wenigen Wochen anstehende Duell verlieren, dürfte dies wahrscheinlich schon so etwas wie die Vorentscheidung im Aufstiegsrennen darstellen. „Ich hoffe spätestens jetzt haben alle begriffen was die Stunde geschlagen hat“, mahnt Bornheims Coach.

 

CS